Der Ebracher Hof und seine Geschichte

Mit dem Ebracher Hof Mainstockheim bleibt für immer der Name seines kunstsinnigen Erbauers vereint, des Abtes Johannes von Dressel von Ebrach. Er ließ den prächtigen Amtshof von Grund auf errichten.
Als Bauzeit kommen die Jahre 1618 bis 1630 in Frage. Der Baumeister des Hofes, jedenfalls eine bedeutendere Persönlichkeit auf diesem Gebiet, ist unbekannt. Die Art und Weise der Ausführung gibt ein gutes Zeugnis für den künstlerischen Geschmack des Bauherrn: Ein stattliches, schlossartiges Gebäude im Stil, wie er an so vielen derartigen Bauten aus der Epoche Julius Echters zu beobachten ist.

Schon stand der Klosterhof von Mainstockheim gegen hundert Jahre, als Abt Wilhelm Söllner von Ebrach (der „Sonnenabt“) einige Zimmer des Schlosses mit aufwändigen Stuckaturen im Geschmack des Rokoko verzieren ließ.
Unter demselben Abte entstand 1727 bis 1734 auch die imposante Gartenanlage, angelegt auf über 4.600 m2 in mehreren Ebenen – ganz ähnlich den Vorbildern barocker Gartenarchitektur der damaligen Zeit: Beginnend auf dem Schlosshof, mit Terrasse und abschließender Balustrade – flankiert durch 2 Pavillonbauten mit elegant geschwungenem französischen Mansarddach (der südliche der beiden brannte 1872 ab und wurde in der heutigen Gestalt wieder aufgebaut).

Ebenfalls aus der Zeit von Abt Söllner stammt die mit bunten Figuren verzierte Stuckdecke der Hauskapelle, der Immaculatagarten mit Wandbrunnen und Marienstatue, 5 Zierbrunnen, zum Teil mit Grotten verbunden, sowie die Ergänzung der Umfassungsmauer. Die Balustrade der oberen Ebene wies Steinfiguren – „Die vier Jahreszeiten“ – als Bekrönung auf (die Figuren befinden sich heute im Schlossgebäude). Über eine elegante doppelläufige Treppenanlage gelangt man hinunter in die nächste Ebene. Die Wasserversorgung erfolgte durch eine bergseitig entspringende Quelle mit Fallleitung und funktioniert heute noch im mittleren Terrassenbereich.

Durch die Säkularisation kam der Hof 1803 an das Kurfürstentum Bayern. Nach Schätzung und Inventarisation aller Güter wurde er 1804 in Privatbesitz versteigert. Das Amtsschloss mit dem weiter dazugehörigen Garten durchlief eine Reihe von Besitzern, die die ursprüngliche Ausstattung zum Teil beseitigten und auch Veränderungen im Garten vornahmen.
Im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts, zur Zeit eines jüdischen Besitzers des Amtshofes, entstand in der Südostecke der unteren Terrasse eine „Mikwe“ (Ritualbad) für die jüdischen Bürger Mainstockheims. Sie führt 14Treppenstufen hinab, ist noch vorhanden und ist ein wichtiges Zeitzeugnis.

Von 1903 bis nach dem Krieg war Weinhändler Wilhelm Schneider aus Mainstockheim Besitzer. Von der Eigentümergemeinschaft Schneider, Beck und Lauck erwarben 1961 die Eltern der Eigentümerin Gabriele Brandner das Anwesen. Der Ebracher Hof war lange nur zum Teil bewohnt gewesen und in denkbar schlechtem Zustand. Regenwasser musste mit vielen Wannen unter den Dächern aufgefangen werden.